Auf ein Wort mit Frank Kayser

Auf ein Wort mit Frank Kayser

WEINGUT HIRTH ist anders als die anderen, deshalb schreiben wir nicht einfach über Frank Kayser, sondern haben uns mit ihm unterhalten. Über seine Weine, über seine Methoden – und natürlich auch ein wenig über sich.




AB: Zunächst einmal Glückwunsch zu den jüngsten Auszeichnungen – Sie sammeln ja Preise wie andere Briefmarken! Ihr Rezept?
Frank Kayser: Das lässt sich natürlich nicht in einem Satz erklären, aber die Kurzversion geht so: Wir verbringen extrem viel Zeit im Weinberg, im Weinkeller und die Lese beginnt sehr spät.



AB: Im Weinberg?

FK: Ja. Die Voraussetzungen, einen guten Wein zu erzeugen, beginnen am Rebstock. Wir reduzieren die Trauben, damit die verbliebenen soviel Kraft wie möglich aus der Pflanze ziehen können. Außerdem betreiben wir rein biologisch-organischen Weinbau. Das ist weitaus arbeitsintensiver als die konventionelle Anbaumethode. Und ganz wichtig: Am Ende ernten wir die Hälfte von dem, was andere Winzer auf vergleichbaren Flächen erzeugen.

AB: Die Hälfte? Das klingt drastisch.
FK: Absolut nicht. Das Ergebnis ist ja kein Zufall: Wir setzen nicht auf Masse, sondern auf Qualität.

AB: Das ist das Stichwort: Qualität. Mit Ihren Weinen zeigen Sie ja deutlich, was in der Weinregion Baden-Württemberg möglich ist. Viel Konkurrenz scheinen Sie trotzdem nicht zu haben…

FK: Jeder Winzer stellt sich die Frage, was er will, darauf hin produziert er. Für mich ist das keine Frage von Konkurrenz, sondern eine grundsätzliche Entscheidung, die man treffen muss. Und dass unsere Weine dermaßen gut ankommen, ist für mich die Bestätigung, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

AB: Wie zum Beispiel beim Auxerrois 2014, er darf sich „Bester Biowein Baden-Württembergs 2015“ und auf Bundesebene „EcoWinner 2015“ nennen…

FK: Ja, und das ist ein toller Erfolg. Als wir 2009 den Betrieb komplett auf Bio umgestellt haben, wurde auch eine Bodenanalyse vorgenommen. Dabei kam heraus, dass der Boden für Burgunder hervorragend geeignet ist. Auxerrois ist eine sehr alte Rebe und wir sind die einzigen in Württemberg, die sie kultivieren.

AB: Dieser Auxerrois hat Ihnen ja auch die Auszeichnung „Bester deutscher Jungwinzer 2015“ eingebracht…
FK: … stimmt so nicht ganz, den Ruhm muss er sich mit der Cuvée Calma 2011 teilen…

AB: Hört sich so an, als wären Sie doch ein wenig stolz darauf.
FK: Das bin ich auch. Ein Jahr nach der Umstellung auf Bio haben wir die Anbauflächen eines geschlossenen Öko-Weinguts in Willsbach übernommen, wo Cabernet und Merlot stehen. Der 2011er Jahrgang ist somit nicht nur der erste Calma, sondern auch aus Sorten gekeltert, die wir zuvor nicht angebaut haben.

AB: Also eine Punktlandung, gewissermaßen.

FK: Diese Cuvée hält dem internationalen Vergleich stand, soviel ist sicher.



AB: Was kommt als Nächstes?
FK: Die Weinlese steht vor der Tür…

AB: Ihre Prognose?

FK: Ich tippe mal auf einen geilen Jahrgang.

Das Interview führte – Anke Bracht –